Ein kurioser Mannschaftskampf

1. Bezirksliga: Ohligser TV – ESG III 3,5 : 4,5

Wenn im Mannschaftskampf lediglich an vier Brettern gespielt wird, bedeutet das normalerweise, dass einen Begegnung im Viererpokal ansteht. In diesem Fall handelte es sich jedoch um ein Bezirksligaspiel bei dem beide Teams mit kurzfristigen Absagen zu kÀmpfen hatten und das auch sonst einige KuriositÀten zu bieten hatte.

3 : 1-FĂŒhrung bereits zu Spielbeginn

Wie geschrieben konnten die MannschaftsfĂŒhrer bereits beim Beschriften der Spielberichtskarte die HĂ€lfte der Ergebnisse eintragen: Die Elberfelder ließen Brett zwei unbesetzt, wĂ€hrend Dietmar Kaufmann (Brett drei), Alessandro Kronz (Brett vier) und Thomas Falk (Brett sechs) zu kampflosen Erfolgen kamen. Die GĂ€ste starteten also mit einer 3:1-FĂŒhrung in den Mannschaftskampf, sodass lediglich ein Punkt zum Unentschieden und eineinhalb Punkte zum Mannschaftssieg reichten.

FĂŒrs erste HĂ€lftchen zeichnete sich Hakan UludĂŒz an Brett sieben verantwortlich, der gegen Colajanni eine ruhige Variante im Caro-Kann Aufbau wĂ€hlte und sich mit seinem Gegner relativ schnell auf eine Punkteteilung verstĂ€ndigte.
Am Spitzenbrett dagegen stellte Thorben Mantler wie schon im ersten Mannschaftskampf einen Bauern ein und lief dem Materialnachteil hinterher. Sein Gegner Baumann konnte zudem die offene h-Linie besetzen und somit bald den vollen Punkt vermelden.

Es wird spannend und teilweise kurios

Interessant verlief die Partie von Peter Wiesemann, der am 4. Brett auf Rhode traf. Das frĂŒhe Mittelspiel nach Abtausch der Damen barg nĂ€mlich eine schöne Analysestellung fĂŒr alle Freunde der FigurenaktivitĂ€t:

Wiesemann – Rhode nach 12… dxe5

Auf den ersten Blick sieht die Stellung ausgeglichen aus – Weiß hat die bessere Bauernstruktur, Schwarz das LĂ€uferpaar, ABER: Schachprogramme sehen Weiß nach 13.Lb5 klar im Vorteil. Eine vollstĂ€ndige Analyse wĂŒrde den Rahmen eines Mannschaftskampfberichtes sprengen und leider auch das SchachverstĂ€ndnis des Autors. So viel habe ich jedoch verstanden: Der weißfeldrige schwarze LĂ€ufer hat keine Perspektive, wĂ€hrend der weiße Springer ĂŒber die Route d2-c4-b6 richtig Chaos im schwarzen Lager stiften kann.

Da wir Amateurspieler und keine Großmeister (und schon gar keine Engines) sind, spielte Peter hier das naheliegende 13.Sd2 und konnte im recht turbolenten weiteren Spielverlauf am Ende ein wichtiges Remis erspielen.
Somit stand es 4:3 aus Elberfelder Sicht und man hoffte im ESG-Lager auf Berk Boyacioglu, der an Brett acht von Micka auf eine harte Probe gestellt wurde. Nach der Eröffnung stand der OTV-Akteur nĂ€mlich fast schon auf Gewinn, doch Berk konnte sich zurĂŒckkĂ€mpfen und ins Endspiel retten. Hier schwankten die Waagschalen bei komplizierten Brettstellungen teilweise erheblich, ehe folgende Stellung erreicht wurde:

Micka – Boyacioglu nach 72. Sb1

Zweimal hatte Berk bereits Kc2 gespielt, um nach Sa3+ wieder nach b3 zurĂŒckzukehren. Die dreifache Stellungswiederholung hĂ€tte den halben Punkt zum Mannschaftssieg bedeutet, doch Berk wollte mehr und spielte nun 72…Lxb1. TatsĂ€chlich ist die Stellung nach 73.a1=D Lc2 74.Db7+ Ka2 75.Da6+ noch immer Remis, doch nach 75…Kb1?? kann Weiß forciert mattsetzen. Umso unverstĂ€ndlicher, dass sich die beiden Kontrahenten genau jetzt auf Remis verstĂ€ndigten, was der ESG III den glĂŒcklichen 4,5 : 3,5-Sieg in einem kuriosen Mannschaftskampf sicherte.

[TM]

%d Bloggern gefÀllt das: