Der Pokal hat seine eigenen Gesetze…

Eines haben Schach und Fußball jedes Jahr zum Ende des Sommers immer wieder gemeinsam: Der Pokal und nicht die Liga eröffnet die neue Spielsaison. Ist beim „Rasenschach“ die Mannschaftsstärke mit elf Spielern immer gleich, wird sie beim Schach von acht Mannschaftsspielern in der Meisterschaft im Pokal auf die Hälfte – sprich vier Spieler – „reduziert“.

In der ersten Runde des Viererpokals des Schachbezirkes Bergisch-Land waren fünf Teams der Elberfelder Schachgesellschaft 1851 am Start. Zwei Mannschaften qualifizierten sich fürs Achtelfinale im Oktober. Unsere Erste durch einen 3:1 Erfolg über das Solinger Quartett vom OTV 1888 und unsere Vierte durch ein 2:2 Unentschieden bei besserer Berliner Wertung gegen die Schachfreunde aus Remscheid-Lennep. Ebenfalls Unentschieden spielte überraschend unsere Zweite gegen die Vierte von der BSW Wuppertal. Mit zwei Siegen an den beiden Spitzenbrettern sprach hier allerdings die Berliner Wertung gegen uns und für unsere Gäste. Ausgeschieden sind ebenfalls unsere dritte und fünfte Mannschaft. Gegner waren die Reserve des Solinger Bundesligisten, beziehungsweise der letztjährige NRW-Qualifikant, die Schachgesellschaft Velbert.

Unsere Erste trifft nun auf die Schachfreunde Anna vom Wuppertaler Laurentiusplatz. Der Bezirksligist ist eine wohl lösbare Aufgabe. Ein Hammerlos zog dagegen unsere Vierte mit der Ersten von der BSW Wuppertal. Das Team ist Pokalverteidiger im Bezirk und NRW-Finalist. Mit zwei Internationalen Meistern im Kader ist das BSW Quartett im zweiten Wuppertaler Duell ein wohl unüberwindbarer Gegner beim Spiel um den Einzug ins Viertelfinale.

Im Heimspiel gegen die in der 2. Bezirksliga spielenden Ohligser vom OTV ’88 war unsere Erste vor Spielbeginn der klare Favorit. Aber Vorsicht war geboten, denn wie im Fußball gilt auch beim Schach: „Der Pokal hat seine eigenen Gesetze.“ Erst recht, wenn man das erste Brett „freilassen muss“ und somit bereits 0:1 hinten liegt. Bei einem Unentschieden hätte die Berliner Wertung wohl immer für unser Team das direkte „Aus“ bedeutet. Konzentration und große Achtsamkeit waren von unseren drei Spielern verlangt. Einen weiteren Partieverlust durfte man sich nicht erlauben. Diese Anspannung waren allen ESG-Akteuren von den Gesichtern abzulesen, während der OTVer Ralf Baumann nach seinem kampflosen Sieg Optimismus verbreitete. Doch dann fiel der Ausgleich.Youngster David Bachmann hatte am Brett vier seinen Gegner Sebastiano Colajanni mit den schwarzen Steinen bezwungen. Auch an den anderen beiden Brettern sah es gut für uns aus. Man durfte optimistisch sein. Im 31. Zug reichte der OTV-Spieler Kasim Zymeri am Brett zwei Heiko Kesseler die Hand zur Aufgabe. Die Wahl zwischen „Matt“ oder „direkter Damenverlust“ waren der Grund für Schwarz zu resignieren. Die 2:1 Führung war perfekt. Nun kam es auf unseren Neuzugang Achim Tymura an. Remis reichte bereits zum Sieg und Weiterkommen. Aber es sollte mehr werden. Mit Routine setzte der ehemalige Hagener Spieler den OTVer Roland Jorke immer mehr unter Druck. Seine weißen Figuren beherrschten das 64feldrige Schachbrett so sehr, dass sein Gegenüber konsequenterweise Achim die Hand als Zeichen der Aufgabe schüttelte. Achims erster Sieg im ersten Spiel für die ESG. Besser geht es nicht. Gratulation. Der 3:1 Erfolg war perfekt.
[HK]

Für die zweite Mannschaft ging der Spieltag unglücklich aus. In der Aufstellung Michael Podder, Andrea Schmidt, Lukas Heynck und Ludger Schmidt starten die ESG II optimistisch in den Mannschaftkampf gegen BSW IV, gewannen letztendlich jedoch an den falschen Brettern. Während Ludger und Lukas an den hinteren Brettern gewannen, mussten Michael und Andrea an den oberen Brettern Niederlagen einstecken. So stand es zwar 2:2, aber die Berliner Wertung sprach mit 3:7 gegen uns, da der Gegner an den oberen Brettern gewonnen hatte, und somit auch den Mannschaftkampf für sich entschied.
[LH]

Wegen Terminkollision in Solingen hätte die ESG III schon am vergangenen Sonntag antreten sollen. Vielleicht war ein Termin im August noch zu früh, vielleicht hatte die Saisonauftaktsfeier noch nicht ihre Wirkung entfalten können, so dass sich vier Spieler finden ließen, die nach Solingen reisen wollten, um den anderen ESG-Mannschaften vorwegzugehen und den Weg zum Pokal aufzuzeigen. Die Begegnung musste leider kampflos aufgegeben werden.

«JT zum Quadrat» lautete die Geheimrezeptur und das Erfolgsrezept der ESG IV in der Pokalbegegnung gegen Lennep I, sprich Josef Krük und Thorben Mantler, aus der ESG III, die sich wegen der kampflosen Aufgabe der ESG III nun an die Bretter der ESG IV setzen konnten, sowie Josef Komeinda und Thomas Falk aus der ESG IV. Die anfänglich Hochrechnung des neuen Mannschaftsführers der ESG IV, Thomas, mit Besetzung der Bretter 1 und 2 durch Josef Krük und Thorben Mantler mindestens ein Unendschieden gegen Lennep I, die ebenfalls wie ESG IV in der zweiten Bezirksklasse spielt, in der Tasche zu haben und dank der Berliner Wertung weiter zu kommen, zerschlug sich schnell, hat Lennep doch mit Erik Stokkentreeff und Frank Freese zwei starke Spiele mit 1780-1790 DWZ in ihren Reihen – es musste an allen Brettern gekämpft werden.

Und so legte sich Josef Komeinda auch gleich mit den weißen Figuren an Brett 3 (die Begegnung fand zwar in Lennep statt, die ESG IV hatte jedoch Heimrecht – sonst hätten vier ESG-Mannschaften im Luftschloss gespielt) ins Zeug und wollte in eine Art Schnellschach den ersten Punkt einfahren, griff dann in guter Stellung ungestüm den gegnerischen König an und stellte einen Läufer ein – die Partie war wohl verloren, sollte seinem Gegenüber, Klaus-Dieter Koch, nicht das gleiche Missgeschick unterlaufen. Josef kämpfte jedoch unverdrossen weiter.

An Brett vier kam Thomas relativ früh zu einem Mehrbauern, weil sein Gegenüber, Kim Ungermann Sc3-a4 spielte und die Deckung seines e4-Bauern aufgab. Ungermann bekam die Dominanz am Damenflügel; Thomas konnte jedoch gegenhalten und durch Leichtfigurenabtausch den Einfall auf dem Damenflügel verhindern, wollte er doch damit auch den Mehrbauern stärker zur Geltung bringen. In leicht besserer Stellung (lt. nachträglicher Computeranalyse) opferte Ungermann seinen Läufer auf h6 und ermöglichte seiner Dame das Dauerschach auf h6 und g6. Damit war ein halber Zähler im Säckchen.

Auch wenn lt. DWZ Thorben Mantler und Frank Frese auf Augenhöhe sind, wusste Thorben, dass er mit den weißen Figuren gewinnen musste, sollte die ESG IV weiterkommen, und so spielte er aktiv auf, hatte stets leichte Oberhand und lockte die gegnerische Dame ohne Staffage weit nach vorne auf den Königsflügel, bis die Jagd auf sie im 21. Zug mit g5 begann.

Thorben

Sie musste immer neue Rückzugsfelder finden und wurde bis auf die Grundlinie zurückgedrängt. In diesem „napoleonischen“ Rückzug griff Frank Frese einmal daneben, und Thorben konnte den Sieg einstreichen.

Auch Josef Krük dominierte lange mit den schwarzen Figuren (auch wenn er auswärts an Brett 1 die weißen Figuren haben wollte) die Partie gegen den holländischen Schachfreund Stokkentreeff…

Erik Stokkentreeff (li) und Josef Krük (re) im Hintergrund Thorben Mantler
Erik Stokkentreeff (li) und Josef Krük (re) im Hintergrund Thorben Mantler

… konnte die Qualität gewinnen, und hatte die Hegemonie am Königsflügel, jedoch konnte weiß das Bauerngleichgewicht am Damenflügel leicht zu seinen Gunsten stören und bot remis an, vielleicht in Unkenntnis, was das für die Berliner Wertung bedeuten würde – nicht so die ESG: remis an Brett 1 reicht, und Josef nahm an. Nun konnte auch der jüngere Josef am Brett 3 seine Partie zum Gesamtunentschieden verloren geben, aber dank Berliner Wertung mussten die ESG-Recken nicht ins Blitz-Stechen, sondern konnten mit der Fahrkarte ins Achtelfinale nach Hause fahren.

Irrungen und Wirrungen dagegen in der ESG V, traten sie doch nur mit Samuel Haringer und Benedikt Abel an den Brettern zwei und drei an. Doch zeigten sie Kampfgeist und ließen sich nicht davon abschrecken, dass nur das Losglück sie in die nächste Runde bringen würde, denn selbst wenn sie ihre Partien gewonnen hätten, stände es unentschieden, auch nach Berliner Wertung. Das hieße, zweimal im Blitzen gewinnen, und wieder hätte es unentschieden nach Brettpunkten und nach Berliner Wertung gestanden – da hilft dann nur noch Fortuna. Sie setzte sich jedoch ans Velberter Brett, und die ESG V schied ebenfalls aus dem Pokal aus.
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